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Erweiterungsneubauten Kantonsschule Limmattal, Urdorf
Erweiterungsneubauten Kantonsschule Limmattal, Urdorf
Copyright: Igor Ponti
075
N° DE SOUMISSION: 214
Interdisziplinarität erzeugt Reibung – und Reibung erzeugt Energie. Der verbreitete Versuch, Anforderungen aus Ort, Nutzung, Technik, Baukultur und Nachhaltigkeit durch Konsens zu glätten, löscht häufig diese Energie und führt zu unspezifischer Architektur. Dialog hingegen kann Widersprüche produktiv kanalisieren und zu spezifischen, auf mehreren Ebenen überzeugenden Bauten führen.
Die Planung der Erweiterung der Kantonsschule Limmattal war von intensivem Dialog geprägt: zwischen Bauherrschaft und Besteller, Stadtraum und Areal, Architektur und Nachhaltigkeit. Das Ergebnis ist ein präzise abgestimmtes Ensemble, in dem Architektur, Tragwerk, Haustechnik und Freiraum integrativ entwickelt wurden.
Der typostrukturelle Ansatz übersetzt dissonante Vorgaben in ein robustes, breit akzeptiertes und ästhetisch hochwertiges Projekt. Wechselnde pädagogische Anforderungen, die gleichzeitige Nutzung von Turnhallen und Konzertsaal sowie ein vorwiegend materialbezogenes Nachhaltigkeitsverständnis werden durch eine langlebige, flexible Struktur beantwortet – eine Plattform für vielfältige Nutzungen, die dank ihrer langen Lebensdauer den CO₂-Fussabdruck positiv beeinflusst.
Aussenräumlich ermöglicht die Stapelung von drei Hallen (Aula und zwei Sporthallen) eine Minimierung des Gebäudefussabdrucks und schafft grosszügige Freiräume, die Schule und Quartier verbinden. Die Setzung der Baukörper formuliert eine klare Adresse an der Limmattalbahn, verortet die Schule im heterogenen Stadtraum und gibt diesem Impulse für seine Entwicklung.
Innenräumlich definiert der typostrukturelle Ansatz die Organisation: Im Naturwissenschaftstrakt ordnet eine Rippendecke Tragwerk und Haustechnik und ermöglicht flexible Grundrisse. Die um 90° gedrehte Anordnung der Struktur im Hallentrakt ermöglicht eine kompakte Schichtung, die sich auch im architektonischen Ausdruck widerspiegelt. Die Aula bildet als hölzerner, akustisch autonomer Raum einen zur Öffentlichkeit offenen Ort.
Erweiterungsneubauten Kantonsschule Limmattal, Urdorf – Volumetrischer Auftakt an der Haltestelle Kanitallee der Limmattalbahn – Igor Ponti
Erweiterungsneubauten Kantonsschule Limmattal, Urdorf – Sportpark als öffentliche Begegnungszone – Igor Ponti
Erweiterungsneubauten Kantonsschule Limmattal, Urdorf – Grosszügige Sitzstufen verbinden aussenräumlich den neuen Platzhof mit den bestehenden Aussenräumen – Igor Ponti
Erweiterungsneubauten Kantonsschule Limmattal, Urdorf – Hallentrakt: Wendeltreppe im Foyer aus passiviertem Stahl – Igor Ponti
Erweiterungsneubauten Kantonsschule Limmattal, Urdorf – Hallentrakt: Aula als eingestellter, hölzerner Raum als Abbild der dahinterliegenden Tragstruktur – Igor Ponti
Erweiterungsneubauten Kantonsschule Limmattal, Urdorf – Hallentrakt: In der Tragstruktur geordnete Doppelturnhalle – Igor Ponti
Erweiterungsneubauten Kantonsschule Limmattal, Urdorf – Klassentrakt: Zentraler Bereich in nicht ausgebautem Zustand als Ausstellungsraum – Igor Ponti
Erweiterungsneubauten Kantonsschule Limmattal, Urdorf – Klassentrakt: Zentraler Bereich ausgebaut als offene Sammlung der Biologie – Igor Ponti
Erweiterungsneubauten Kantonsschule Limmattal, Urdorf – Klassentrakt: Eckzimmer für Chemieunterricht – Igor Ponti
Erweiterungsneubauten Kantonsschule Limmattal, Urdorf – Klassentrakt: Zusammenspiel von Tragwerk und Installationen im Deckenspiegel – PENZISBETTINI. Architekten ETH/SIA GmbH
Erweiterungsneubauten Kantonsschule Limmattal, Urdorf – Öffnung des Inselcharakters (linke Aufnahme 2019) und klare Adressierung der Schule im städtischen Raum (rechte Aufnahme, 2025) – Igor Ponti
Copyright général des photographies: Igor Ponti
Copyright général des plans / schémas / graphiques: PENZISBETTINI. Architekten ETH/SIA GmbH
Textes Critères de Davos
Gouvernance
Die Erweiterung basiert auf einer transparenten, interdisziplinären Planung, in der Schule, Hochbauamt und Fachplanende in klaren Rollen zusammenwirken. Die typostrukturelle Trennung von Struktur, Ausbau und Technik gewährleistet nachvollziehbare Verantwortlichkeiten und interventionstaugliche Schnittstellen über den gesamten Lebenszyklus. Die frühe Nutzerintegration stärkt die institutionelle Tragfähigkeit und verankert Entscheidungsprozesse in einem robusten Governance-Modell.
Fonctionnalité
Die Typostruktur organisiert Tragwerk, Haustechnik und Nutzung in einer präzisen räumlichen Matrix. Rippendecken, klare Erschliessungen und zonierte Grundrisse ermöglichen flexible Lern- und Betriebsmodelle sowie unabhängige Abendnutzungen. Die offene Mitte mit Sammlungen stärkt fachspezifische Identität, während barrierefreie Wege, grosszügige Raumhöhen und direkte Anbindung an die Limmattalbahn die funktionale Leistungsfähigkeit des Campus wesentlich erhöhen.
Environnement
Das Projekt minimiert Umweltbelastung über strukturelle Massnahmen: kompakte Stapelung, geringe Versiegelung, RC-Beton in tragenden Bauteilen, optimierte Speichermasse und Minergie-P-Eco. Erdsonden, kontrollierte Lüftung und PV-Anlagen reduzieren Betriebsenergie. Baumdächer, Biodiversitätsflächen und differenzierte Hofsequenzen erzeugen ein wirksames Mikroklima und stärken die ökologische Resilienz im dicht genutzten Stadtrandraum.
Économie
Die Wirtschaftlichkeit ergibt sich aus konstruktiver Klarheit: hoher Wiederholungsgrad, Vorfertigung im Naturwissenschaftstrakt, einfache Fügung und langlebige Materialien senken Bau- und Unterhaltskosten. Die Verdichtung auf bestehendem Boden maximiert Standort- und Infrastrukturleistung. Die städtebauliche Adressbildung an der Limmattalbahn steigert Nutzungsauslastung und öffnet das Areal für schulische und öffentliche Programme über den Tagesbetrieb hinaus.
Diversité
Die Erweiterung schafft ein heterogenes Nutzungsfeld, das Unterricht, Musik, Sport und Kultur räumlich verzahnt. Öffentliche Baumdächer, Platzhof und differenzierte Höfe unterstützen soziale Durchmischung und informelle Bildungssituationen. Flexible Raumeinheiten und offene Sammlungen fördern eigenständige Lernformen. Die Struktur erweitert den Campus zu einem Quartierort, der institutionelle und zivile Nutzungen selbstverständlich koppelt.
Contexte
Die Neubauten verlängern die lineare Ordnung der Trakte A–D und vermitteln präzise zwischen Wohnquartier und Gewerbezone. Waschbeton, Sichtbeton und Trapezblech transformieren die Tektonik des Bestands in eine zeitgenössische strukturelle Sprache. Der erhöhte Hallentrakt setzt eine klare Geste zur Limmattalbahn und formuliert eine neue Adresse. Das Ensemble stärkt die räumliche Kohärenz eines vielteiligen urbanen Übergangsraums.
Esprit du lieu
Der Campus gewinnt räumliche Intensität durch den neuen Platzhof als kollektives Forum, drei Baumdächer als klimatische Filter und kleinteilige Fachschaftshöfe als Binnenräume. Sichtbare Tragstruktur und offene naturwissenschaftliche Sammlungen übersetzen schulische Inhalte in räumliche Identität. Die Architektur führt das Motiv der „Perlenkette“ fort und verankert die Schule als eigenständigen, wiedererkennbaren Lern- und Kulturort.
Beauté
Die ästhetische Qualität entsteht aus der konstruktiven Logik: Rippendecken, Ortbeton, präzise Fügungen und geordnete Installationen erzeugen ein ruhiges, robustes Gefüge. Die Aula als warmer Holzraum bildet eine atmosphärische Verdichtung und ein bewusst gesetztes Gegenmotiv. Schönheit ergibt sich aus der Übereinstimmung von Struktur, Material und Nutzung und entwickelt eine dauerhafte, nicht ikonografische Präsenz im Campus.
Caractéristiques
Lieu
Urdorf (ZH)
Catégorie d'ouvrage (SIA 102)
Enseignement, formation, recherche
Type de tâche
Nouvelle construction
Type de procédure
Concours
Type de concours
Concours ouvert
Coût de construction en CHF (SIA 416)
80'000'000
Surface de plancher en m² (SIA 416)
14'000
Planification
2016 → 2023
Réalisation
2021 → 2024
Année de mise en service
2024