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Kunsthaus Baselland
Kunsthaus Baselland
Copyright: Fotografie: © Maris Mezulis
057
N° DE SOUMISSION: 242
Das Dreispitzareal erkennt man an der typischen Zeilenstruktur, die weitgehend durch seine transitorische Funktion entstanden ist. Längsbauten zur Lagerung von Gütern stehen zwischen Erschliessungsstrassen und Bahntrassen, welche die makroräumlichen Merkmale des Ortes prägen. Der Standort der Lagerhalle liegt mittig in einer für den Ort typischen Gebäudezeile und ordnet sich den exponierten Kopfbereichen unter. Die rudimentär konstruierte, ehemalige Lagerhalle für Champagner, soll zu einem Ausstellungsort für Kunst umfunktioniert werden. Ihre Grundstruktur vermag kaum weiteren Lasten standzuhalten, weshalb ein Abbruch mit Neubau im Wettbewerb zur Disposition stand.

Das Projekt hingegen setzt auf die integrale Erhaltung der Lagerhalle und ergänzt sie um einen präzise eingepassten Raumkörper aus Ortbeton, der in ein dialogisches Verhältnis zur bestehenden Hülle tritt. Prismatische Lichttürme, zwischen die bestehende Stahlstruktur eingepasst, bilden das Grundmotiv einer räumlichen Matrix, welche den Ausstellungsbereich strukturiert. Wandhohe Träger und Deckenplatten verbinden die Türme und schaffen eine zweite Ausstellungsebene, zugleich unterstützen diese die fragile Dachkonstruktion des Bestandes. Die Türme führen zenitales Licht in die Halle und erzeugen eine signifikante Fernwirkung. Der mäandrierende Einbau aus Sichtbeton lässt aus der offenen Halle ein differenziertes Gefüge mit Räumen unterschiedlicher Formate und Höhen entstehen. Ausschnitte in den Vertikalkörpern erlauben vielseitige Lichtimpulse und ermöglichen Sichtbeziehungen zwischen den Ausstellungsebenen. Die beidseitig zugängliche Eingangshalle dient als öffentliches Foyer und kann als multifunktionale Fläche frei bespielt werden.

Charakteristische Elemente der früheren Lagerhalle wie die Rampensockel und ausgefachte Stahlstruktur, sowie das Filigranfachwerk des Daches dienen als konzeptuelle und atmosphärische Elemente, um die Geschichte des Ortes weiterzudenken und mit der neuen Nutzung zu verweben.
Kunsthaus Baselland – Ausgangslage Bestand Dreispitzhalle: Das Gelände ist geprägt von seiner typischen Bandstruktur. Lange Gebäude zur Lagerung von Gütern stehen zwischen Zufahrtsstraßen und Eisenbahnschienen. – Buchner Bründler Architekten
Kunsthaus Baselland – Aus der Stereometrie der Dachfigur der alten Lagerhalle werden prismatische Lichttürme geformt.  – Fotografie: © Rory Gardiner. Kunsthaus Baselland, ‘Rewilding’, Münchenstein / Basel, 2024.  Tony Cokes in collaboration with MOS Architects NYC,  <Design.Sociality.Space> (4 Studies 4 A Club), 2024
Kunsthaus Baselland – Die beidseitige Zugänglichkeit des Baus fördert die Aktivierung des Aussenbereichs. – Fotografie: Pati Grabowicz © Kunsthaus Baselland
Kunsthaus Baselland – Die alten Dachbalken, die aus statischen Gründen ersetzt werden mussten, wurden umfunktioniert und als Bibliothek neben dem Foyer wiederverwendet. – Fotografie: © Rory Gardiner. Kunsthaus Baselland, ‘Rewilding’, Münchenstein / Basel, 2024.  Renate Buser, Switchback, 2024, Analoge Fotografie, digitalisiert Print auf Bodenfolie, ca. 1000 × 1000 cm
Kunsthaus Baselland – Die beidseitig zugängliche Eingangshalle dient als öffentliches Foyer und kann als multifunktionale Fläche frei bespielt werden. – Fotografie: Pati Grabowicz © Kunsthaus Baselland
Kunsthaus Baselland – Der Mittelkorridor bildet das räumliche Rückgrat, von welchem aus sich die wechselseitig angeordneten Räume erschliessen. – Fotografie: © Rory Gardiner. Kunsthaus Baselland, ‘Rewilding’, Münchenstein / Basel, 2024.  Naama Tsabar, <Melodies of Certain Damage series>
Kunsthaus Baselland – Die vertikalen Öffnungen der Lichtschächte ergänzen die homogene Grundbeleuchtung mit dynamischem Himmelslicht. – Fotografie: Pati Grabowicz © Kunsthaus Baselland
Kunsthaus Baselland – Das Kunsthaus Baselland ermutigt Künstler:innen in ihren Arbeiten auf die Architektur des Baus einzugehen. – Fotografie: Ivana Kresic © Kunsthaus Baselland
Kunsthaus Baselland – Ausschnitte in den Vertikalkörpern erlauben vielseitige Lichtimpulse und ermöglichen Sichtbeziehungen zwischen den Ausstellungsebenen.  – Fotografie: Ivana Kresic © Kunsthaus Baselland
Kunsthaus Baselland – Die Türme sind präzise zwischen die bestehenden Fachwerkträger in Stahl eingepasst. – Fotografie: © Maris Mezulis
Kunsthaus Baselland – Charakteristische Elemente der früheren Lagerhalle, wie z. B. die ausgefachte Stahlstruktur sowie das Filigranfachwerk des Daches, dienen als konzeptuelle und atmosphärische Elemente, um die Geschichte des Ortes weiterzudenken und mit der neuen Nutzung zu verweben. – Fotografie: Ivana Kresic © Kunsthaus Baselland
Kunsthaus Baselland – Das Gebäude vermittelt zwischen industrieller Vergangenheit und der städtebaulichen Erneuerung in einen lebendigen Stadtbezirk. – Fotografie: © Pati Grabowicz
Copyright général des plans / schémas / graphiques: Buchner Bründler Architekten
Copyright: Video: Dirk Koy © Dirk Koy & Kunsthaus Baselland; Werke in der Ausstellung © von den Künstler:innen: Gabrielle Goliath, Daniela Keiser, Marine Pagès, Anne-Lise Coste, Pipilotti Rist, Renate Buser
Textes Critères de Davos
Gouvernance
Das Kunsthaus Baselland versteht sich als kulturelle Institution mit öffentlicher Verantwortung. Es fördert Bildung, Austausch und Integration von zeitgenössischer Kunst in den gesellschaftlichen Alltag. Die Künstler:innen, werden angeregt neue Werke direkt vor Ort zu schaffen, die sich mit der Architektur befassen. Der Bau unterstützt diese kuratorische Idee mit seinem vielfältigen Raumkonzept. Das frei zugängliche «Foyer public» fördert den Austausch und verankert das Haus zusätzlich am Ort.
Fonctionnalité
Der Bestandserhalt stellt eine Verbindung zur Geschichte des Ortes her und gewährleistet Kontinuität. Die räumliche Organisation folgt einem präzisen funktionalen Konzept: ein eingebauter Raumkörper schafft eine zweite Ausstellungsebene und stützt die bestehende Struktur. Die unterschiedlichen Raumhöhen und -grössen, sowie die klare Erschliessung ermöglichen vielfältige Ausstellungstypologien. Tageslichteinfall und Raumproportionen sind sorgfältig auf die kuratorischen Anforderungen abgestimmt.
Environnement
Das Projekt geht bewusst mit vorhandenen Strukturen und Materialien um. Der ursprüngliche Boden wurde erhalten. Die bestehende Gebäudehülle, aus mit Kalksandsteinen ausgefüllten Stahlrahmen, und das gedeckte Pfettendach werden erhalten und wo nötig, renoviert und gedämmt. Der hinzugefügte Körper aus Ortbeton stützt und entlastet die fragile vorhandene Dachstruktur. Die alten Dachbalken, die aus statischen Gründen ersetzt werden mussten, wurden als Bibliothek neben dem Foyer wiederverwendet.
Économie
Das Konzept und die daraus entstandene Konstruktion basiert auf Langlebigkeit, einfacher Bewirtschaftung und effizienten Abläufen. Reduzierte Materialvielfalt, robuste Oberflächen und langlebige Baumaterialien sichern ökonomische Nachhaltigkeit und einen langen Lebenszyklus. Das natürliche Licht reduziert den Energieaufwand. Dank eines konsequenten Kostenmanagements konnte das Haus innerhalb des eingeschränkten Budgets von CHF 10 Mio. realisiert werden.
Diversité
Das Kunsthaus ist als öffentlich zugänglicher Ort konzipiert, der viele gesellschaftliche Gruppen anspricht. Die Nutzungen des Foyers sind vielseitig: es kann als Teil des Gesamtbetriebs des Hauses, sowie unabhängig davon aktiviert werden. Nebst freier individueller Nutzung lässt es verschiedenste Aktvierungen wie z. B. Konzerte, Workshops, Lesungen, Familientage zu. Diese Offenheit lädt Besuchende zur aktiven Teilnahme und benachbarte Institutionen zu Kollaborationen und Austausch ein.
Contexte
Das Gebäude reagiert präzise auf die heterogene Umgebung des Dreispitz-Areals. Es vermittelt zwischen industrieller Vergangenheit und der städtebaulichen Erneuerung in einen lebendigen Stadtbezirk mit Wohnungen, Bildungseinrichtungen und Kunstinstitutionen. Der Bau erzählt die architektonische Transformation, denkt die Geschichte des Ortes weiter und verwebt sie mit der neuen Nutzung. Die drei Türme sind ein signifikantes Zeichen der Transformation von aussen und schaffen bedeutende Fernwirkung.
Esprit du lieu
Materialität und Massstab des Ortes werden aufgenommen und fortgeführt. Sichtbeton, klare Volumen und zurückhaltende Details verknüpfen den industriellen Charakter mit der neuen kulturellen Identität des Hauses. Die drei Türme machen die die Transformation sichtbar und geben dem Bau eine Einzigartig- und Unverwechselbarkeit. Die Ausschnitte in vertikalen Volumen ermöglichen vielseitige Lichtimpulse und schaffen Sichtbeziehungen zwischen den beiden Ausstellungsebenen.
Beauté
Die gestalterische Qualität liegt in der Klarheit von Form, Proportion, Material und Lichtführung. Wenige präzise eingesetzte Materialien und sorgfältige Details prägen den Bau. In die bestehenden ehemals zur Anlieferung genutzten Toröffnungen wurden grosse Verglasungen eingebaut. Sie erinnern an die frühere Nutzung und schaffen Durchlässigkeit und Sichtbezüge. Die präzise Geometrie der Türme steht in Kontrast zum Bestand und bildet gleichzeitig eine harmonische Einheit mit der Halle.
Caractéristiques
Lieu
Münchenstein, Schweiz
Catégorie d'ouvrage (SIA 102)
Culture et vie sociale
Type de tâche
Transformation
Type de procédure
Concours
Type de concours
Concours sur invitation
Coût de construction en CHF (SIA 416)
10 Mio € (BKP 1–9)
Surface de plancher en m² (SIA 416)
2'540
Planification
2020 → 2022
Réalisation
2022 → 2023
Année de mise en service
2024
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