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Kindergarten Mööslistrasse, Zürich
Kindergarten Mööslistrasse, Zürich
Copyright: Fotograf: Theodor Stalder
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N° DE SOUMISSION: 463
Die Primarschule Manegg im Zürcher Quartier Wollishofen verzeichnet einen gestiegenen Bedarf an Kindergartenräumlichkeiten. Da die Anlage aus den 1930er Jahren keine Erweiterung zulässt, entschied man sich, die sanierungsbedürftigen Mietwohnungen im Obergeschoss des stadteigenen Werkhofs an der Mööslistrasse zu einem Kindergarten mit Betreuung und Mittagstisch umzunutzen. Dabei wurden die Innenwände der kleinkammerigen Wohnungen rückgebaut und mit Hilfe von Stahlträgern grössere Räume gebildet, um sie als Kindergartenzimmer, Aufenthaltsraum, Gruppenraum und Garderobe nutzen zu können. Das Umbauprojekt gilt als Pionierprojekt für Kreislaufwirtschaft, in der Absicht und im Sinne des städtischen Netto-Null-Ziels, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Dazu trug der Einsatz von möglichst vielen Re-Use Bauteilen und der Erhalt von Vorhandenem aus den ehemaligen Wohnräumen bei. Als wiederverwendete Bauteile wurden die Vordachkonstruktion, die Aussentreppe, Geländer, Pflanztröge, die Stahlkonstruktion zur Beschattung der Aussenräume, diverse Stahlträger, Holzstützen, Brandschutztüren, Akustikelemente, Sanitärapparate und eine gebrauchte Küche wieder eingebaut. Durch ein kräftiges Farbkonzept werden die unterschiedlichen wiederverwendeten Materialien im Innenraum visuell zu einer Einheit zusammengehalten. Aussen schützt eine wiederverwendete Holzpergola mit Vordach die Aussentreppe vor Bewitterung, bildet eine sichtbare Adressierung des Kindergartens und prägt die Identität des Ortes. Im Vergleich zu einem konventionellen Umbau, mit ausschliesslich neuem Material, konnte beim Pilotprojekt mit Re-Use Bauteilen eine rund 30% Einsparung der grauen Emissionen (CO2e/m2a) nachgewiesen werden.
Kindergarten Mööslistrasse, Zürich – Ein kräftiges Farbkonzept im Innenraum bindet die verschiedenen Re-Use-Bauteile ästhetisch zusammen, sodass ein stimmiger Gesamteindruck entsteht. – Fotograf: Theodor Stalder
Kindergarten Mööslistrasse, Zürich – Von der Garderobe gelangt man durch eine grosse Doppeltür ins Kindergartenzimmer. – Fotograf: Theodor Stalder
Kindergarten Mööslistrasse, Zürich – Neue Schreinermöbel ergänzen ReUse-Bauteile. – Fotograf: Theodor Stalder
Kindergarten Mööslistrasse, Zürich – Bei den Stahlträgern, den Akustikpaneelen und der Garderobe handelt es sich um gebrauchte Elemente. – Fotograf: Theodor Stalder
Kindergarten Mööslistrasse, Zürich – Blick in den möblierten Gruppenraum  – Fotograf: Theodor Stalder
Kindergarten Mööslistrasse, Zürich – Die Betonstützen, auf denen die Stahlträger aufliegen, haben eine skulpturale Qualität.  – Fotograf: Theodor Stalder
Kindergarten Mööslistrasse, Zürich – Eingelagerte Materialien und Ausstattungsgegenstände, die im Zuge des Umbaus wiederverwendet wurden.  – Fotograf: Theodor Stalder
Kindergarten Mööslistrasse, Zürich – In den Kindergarten wurde eine gebrauchte Küche eingebaut.  – Fotograf: Theodor Stalder
Kindergarten Mööslistrasse, Zürich – Einbau der ReUse-Träger – Fotograf: Theodor Stalder
Kindergarten Mööslistrasse, Zürich – Holzstützen aus einem Fassaden-Mock-Up sind für die Wiederverwendung eingelagert.  – Fotograf: Theodor Stalder
Kindergarten Mööslistrasse, Zürich – Einbau der ReUse-Elemente auf der Baustelle  – Fotograf: Theodor Stalder
Kindergarten Mööslistrasse, Zürich – Von der Nutzerschaft gestalteter Aussenraum – Fotograf: Theodor Stalder
Copyright général des photographies: Fotograf: Theodor Stalder
Copyright général des plans / schémas / graphiques: Bischof Föhn Architektur
Textes Critères de Davos
Gouvernance
Das Projekt ist ein städtisches Pilotprojekt zur Kreislaufwirtschaft, umgesetzt mit Zirkular GmbH und der Fachstelle umweltgerechtes Bauen der Stadt Zürich. Es basiert auf teamorientierter Zusammenarbeit mit Fachplanung, Bauherrenvertretung und Bauleitung. Innenraum und Pausenplatz sind zudem so gedacht, dass sie durch Partizipation mitgestaltbar sind. Die grosse Stahlpergola im Aussenraum zB. fungiert als flexible Struktur, die durch die Nutzenden vielseitig bespielbar ist.
Fonctionnalité
Der flexibel und nutzungsneutral gestaltete Grundriss ermöglicht verschiedene Nutzungen und Anpassungen. ReUse-Bauteile und rückbaubare Elemente (design for disassembly) erhöhen die Offenheit für zukünftige Nutzungsänderungen. Gewisse Bauteile wie die wiederverwendete Holzpergola mit Vordach besitzt mehrere Funktionen; sie schützt die Aussentreppe, dient als sichtbare Adresse des Kindergartens und prägt die Identität des Ortes.
Environnement
Das Projekt ist stark vom Nachhaltigkeitsaspekt geprägt. Ziel war es, möglichst viele ReUse-Bauteile im Innen- und Aussenraum einzubauen, u.a. Lavabos, Toiletten und Pflanztröge aus den ehemaligen Wohnungen, Mobiliar aus stadteigenen Occasionslagerbeständen und weitere Bauteile wie Stahlträger, Aussentreppe und Pergola aus Abbruchobjekten. Im Vergleich zu einem konventionellen Umbau mit ausschliesslich neuem Material konnten rund 30% der grauen Emissionen (CO2e/m2a) eingespart werden.
Économie
Durch umfangreichen ReUse von Bauteilen ergibt sich nebst einer positiven Lebenszyklusbilanz auch eine geringe Kostenentlastung: Die Materialkosten konnten gesenkt werden, obwohl die Planungskosten etwas höher lagen. Aus Spargründen wurden nur die nötigsten und defekten Bauteile erneuert; eine vollständige Erneuerung der Gebäudehülle wurde zurückgestellt und ist für den kommenden Instandsetzungszyklus vorgesehen.
Diversité
F¨ür Adressierung und Witterungsschutz des Aussenbereichs waren ursprünglich eine feine Holzkonstruktion und eine kleine stoffbespannte Metallpergola geplant. Als ReUse-Elemente gefunden wurden stattdessen ein Balkon-Mock-Up und ein fast 20m langes Stahlgerüst, die nun den Aussenraum und die Adressierung sichtbar prägen. Die Vielfalt der ReUse-Materialien und deren vorherige Verwendung erzeugen eine zur Kindergartennutzung passende, poetische Geschichte.
Contexte
Die besondere Nutzungskombination von Werkhof im Erdgeschoss und Kindergarten im Obergeschoss erforderte nicht zuletzt aufgrund der Sicherheit eine klare Trennung der beiden Nutzungen, insbesondere bei den Zugängen und Aussenräumen. Der sichere Zugang für die Kinder ist vom Werkhofzugang getrennt und erfolgt auf der Gebäuderückseite über eine Aussentreppe, die durch eine wiederverwendete Holzpergola mit Vordach geschützt wird und dem Kindergarten eine klare Adressierung verleiht.
Esprit du lieu
Die Kombination von Kindergarten und Werkhof sowie die Nähe zum benachbarten Alterswohnheim schafft auf kleinem Raum einen generationenübergreifenden Mikrokosmos mit Potential für sozialen Austausch. Sichtbare ReUse-Elemente insbesondere im Aussenbereich schaffen eine Adressierung, stärken die Identifikation der Kinder mit ihrem besonderen Kindergarten und sensibilisieren sie spielerisch für Themen wie Nachhaltigkeit, ReUse und Recycling.
Beauté
Mit einfachen gestalterischen Eingriffen wurden die kleinteiligen Wohnungen zu grosszügigen, fliessenden Räumen umgebaut. Durch Rückbau der Innenwände und den Einsatz von Stahlträgern entstanden drei gleichwertige Bereiche für Unterricht, Betreuung sowie Garderobe und Spiel. Ein kräftiges Farbkonzept schafft eine differenzierte Ausgestaltung der Räume und verbindet die unterschiedlichen ReUse-Bauteile zu einem stimmigen Ganzen.
Caractéristiques
Lieu
Mööslistrasse 8, 8038 Zürich-Wollishofen
Catégorie d'ouvrage (SIA 102)
Loisirs, sport et détente
Type de tâche
Réutilisation
Type de procédure
Concours
Type de concours
Concours sur invitation
Coût de construction en CHF (SIA 416)
1.67 Mio
Surface de plancher en m² (SIA 416)
273 m2
Planification
2021 → 2022
Réalisation
2022 → 2023
Année de mise en service
2023
Soumissionnaire(s) | Intervenants
Maître d'ouvrage
Maître d'ouvrage
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Autre
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aik Architektur + Ingenieur Kollektiv, Zürich