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Rastplatz Chölfeld
Rastplatz Chölfeld
Copyright: Thomas Telley
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N° DE SOUMISSION: 539
Der Rastplatz Chölfeld in der Gemeinde Utzenstorf wurde in den 60er Jahren gemeinsam mit dem Bau der A1 erstellt. Mit der Planung und Umsetzung für den Neubau wird der Rastplatz Chölfeld auf die aktuellen Anforderungen und Bedürfnissen angepasst.

Die gedämmte Gebäudehülle bildet ein reiner Holzbau. Das scharf geschnittene Infrastrukturgebäude ist mit einer aktiven Verschleissschicht in Backstein umwickelt. Die Backsteinkruste schützt den Holzkörper vor Vandalismus und folgt dem scharf geschnittenen Grundriss. Das weit auskragende Dach ist vollflächig mit Photovoltaikpanels belegt und erzeugt so den Strom für die E-Ladestationen des Rastplatzes.

Am Rastplatzgebäude Chölfeld sollte zirkuläres Bauen eine direkte Anwendung finden. Ein Gebäude mit starker Präsenz zur Öffentlichkeit mit hohen Anforderungen an Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit. Exemplarisch wurde ein Pilotversuch zum Thema zirkuläre Baumethoden von der Planung bis zur Realisierung in die Realität umgesetzt. Die Sichtbacksteine des Bestandsbaus aus den 60er Jahren wurden sorgfältig demontiert, von Mörtelresten befreit und sauber zur Wiederverwendung eingelagert. Die Graffitifragmente wurden jedoch bewusst als Patina und Zeitspuren auf den Ziegelsteinen belassen. Nach der Erstellung des Neubauvolumens in Holz, wurden die alten Sichtbacksteine in das neue Gebäudegewand eingewoben. Die kontrollierte Wiederverwendung der Materialressource erzeugt ein spezifisches Gesamtbild mit einer neuen Ästhetik.

Ein allüberspannendes frei auskragendes Holzdach schützt die Infrastruktur und bietet den Rastplatznutzern Schutz vor Wind und Wetter. Vier kreuzverleimte Mehrschichtplatten à 18cm Stärke und 3.50m Breite wurden vor Ort zu einem grossen Dachelement verbaut.

Die Koexistenz von gebauter Ressource als unerschöpfliches Materiallager gepaart mit Holzbauten als nachwachsender Rohstoff, bildet eine Alchemie für zukunftsweisende Bautypologien.
Rastplatz Chölfeld – Ansicht von den Parkplätzen – Thomas Telley
Rastplatz Chölfeld – Weit auskragendes Vordach – Thomas Telley
Rastplatz Chölfeld – Nahansicht  – Thomas Telley
Rastplatz Chölfeld – Bestehende Backsteine in neues Fassadenkleid eingewoben – Thomas Telley
Rastplatz Chölfeld – Nahansicht  – Thomas Telley
Rastplatz Chölfeld – Ansicht Zufahrt – Thomas Telley
Rastplatz Chölfeld – Rückbau - Demontage Backsteine – Kocher Minder Architekten
Rastplatz Chölfeld – Rückbau - Demontage Backsteine – Kocher Minder Architekten
Rastplatz Chölfeld – Einlagerung bestehende Backsteine zur Wiederverwendung – Kocher Minder Architekten
Copyright général des photographies: Thomas Telley
Copyright général des plans / schémas / graphiques: Kocher Minder Architekten
Textes Critères de Davos
Gouvernance
Das Projekt entstand im engen Austausch zwischen Bauherrschaft, Fachplanenden und Behörden und diente als Pilot für zirkuläres Bauen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglichte die Wiederverwendung der Bestandsziegel und die Entwicklung innovativer Holzbau- sowie Energiekonzepte für eine öffentliche Infrastruktur mit hohen Sicherheitsanforderungen.
Fonctionnalité
Das neue Rastplatzgebäude erfüllt zeitgemässe Anforderungen an Hygiene, Sicherheit und Zugänglichkeit. Das weit auskragende Dach schützt Nutzer vor Witterung, während robuste Materialien Vandalismus vorbeugen. Die kompakte Organisation und langlebige Konstruktion sichern einen effizienten Betrieb über lange Zeit.
Environnement
Zirkuläres Bauen steht im Zentrum: Wiederverwendete Backsteine, ein reiner Holzbau und ein PV-Dach zur Versorgung der E-Ladestationen minimieren graue Energie und Emissionen. Der Neubau demonstriert Suffizienz, Ressourcenschonung und erneuerbare Energie als integrale Bestandteile zeitgemässer Infrastruktur.
Économie
Die Kombination aus langlebiger Holzstruktur, robuster Ziegelhülle und Eigenstromproduktion reduziert Betriebs- und Unterhaltskosten. Die Wiederverwendung vorhandener Materialien senkt den Ressourcenverbrauch und schafft langfristigen Mehrwert. Das Gebäude stärkt den Rastplatz als zukunftsfähigen Standort entlang der A1.
Diversité
Als öffentlich zugängliches Infrastrukturgebäude richtet sich der Rastplatz an ein breites Nutzerfeld – von Reisenden bis Berufspendlern. Witterungsgeschützte Bereiche, klare Orientierung und robuste Gestaltung fördern Sicherheit, Aufenthaltsqualität und gleichberechtigte Nutzung für unterschiedliche Altersgruppen und Mobilitätsbedürfnisse.
Contexte
Der Neubau greift die Geschichte des Rastplatzes aus den 1960er-Jahren auf, indem dessen Backsteine wiederverwendet und in eine zeitgenössische Holzarchitektur integriert wurden. Form, Materialität und Präsenz reagieren auf die Verkehrsinfrastruktur und schaffen einen prägnanten, ortsspezifischen Beitrag in der Nationalstrassen-Landschaft.
Esprit du lieu
Die sichtbaren Spuren der Vergangenheit – inklusive Graffitipatina – verleihen dem Gebäude Identität und erzählen von Nutzung und Wandel. Die Verbindung von Bestand und Neubau schafft einen unverwechselbaren Charakter und stärkt die emotionale Bindung an diesen alltäglichen, aber öffentlich wirksamen Ort.
Beauté
Die klare Geometrie, das scharf geschnittene Volumen und die texturierte Ziegelhaut erzeugen eine starke architektonische Präsenz. Das Zusammenspiel von Holz, Backstein und grosszügigem Dach verleiht dem Zweckbau Würde und Ausdruck und transformiert funktionale Infrastruktur in ein präzise gestaltetes Bauwerk.
Caractéristiques
Lieu
Utzenstorf
Catégorie d'ouvrage (SIA 102)
Infrastructures de transport
Type de tâche
Nouvelle construction
Type de procédure
Appel d'offre
Coût de construction en CHF (SIA 416)
1.1 Mio
Surface de plancher en m² (SIA 416)
49.3
Planification
2020 → 2023
Réalisation
2023 → 2023
Année de mise en service
2023
Soumissionnaire(s) | Intervenants
Génie civil
Génie civil
Technique du bâtiment
Conception électrique