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«Über Schönheit zu sprechen, vermeiden Gestalterinnen tunlichst. Zu weit ist das Feld und zu rutschig ist das Terrain. Ich versuche es trotzdem. Architektur ist die Kunst des räumlichen In-Beziehung-Setzens, sagt der Architekturtheoretiker Fritz Neumeyer. Je dichter das Geflecht von Beziehungssträngen wird, die in einem architektonischen Objekt zusammenkommen, desto wirksamer, desto eindringlicher wirkt es auf uns und desto grösser die Chance, dass es uns berührt und desto umfassender berührt es uns. Man könnte auch sagen, desto schöner finden wir es. Die Erfahrung des Schönen, die erfüllt unser Leben. Sie lässt uns eine besondere Nähe zur Welt erleben. Es stellt sich so eine besondere Übereinstimmung mit der Welt ein. Die Welt ist nicht mehr stumm, sondern sie spricht zu uns und zu unseren Sinnen. In solchen Momenten bringt die Welt in uns etwas zum Schwingen und wir bringen in der Welt etwas zum Schwingen. Es entsteht ein wechselseitiges Schwingen. Der Soziologe Hartmut Rosa hat sich aus der Physik für dieses wechselseitige Schwingen den Ausdruck Resonanz geborgt. Damit beschreibt er verschiedene Situationen, in denen wir ausserordentlich berührt werden. Schönheit ist ein ganz wichtiger Aspekt dieser Resonanzbeziehung. Rosa untersucht dies auf verschiedene Weise. Mir helfen diese Gedanken auf der Suche nach dem Schönen. Das ist ja immerhin eine der drei Aufgaben unseres Berufs seit der Antike. Warum ich das erzähle? Weil ich glaube, dass es zu kurz gegriffen wäre, Schönheit als Geschmackssache abzuhandeln oder modischen Strömungen unterworfen zu sehen oder individueller Wahrnehmung zu überlassen. Ich glaube, dass es tatsächlich so etwas wie den harten Kern der Schönheit gibt, wie Peter Zumthor sagt. Und diesem harten Kern können wir uns gemeinsam nähern und wir können ihn methodisch eingrenzen. Aber um das zu verhandeln, brauchen wir Kriterien, wie die Davos Kriterien.»