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Ökonomiegebäude Lützelsee

Copyright: Andreas Graber
Am Lützelsee, eingebettet in eine geschützte Moorlandschaft, liegt der Menzihof, ein Ensemble aus dem denkmalgeschützten Menzihaus und mehreren Ökonomiegebäuden. Mit grossem Respekt wurde das Ensemble instandgesetzt und erweitert: Der bestehende Warmstall wurde in einen Kaltstall mit Laufhöfen umgewandelt und die ehemalige Garage zum Hofkiosk umgenutzt. Ergänzend wurde eine neue Remise errichtet. Dieser innovative Holzbau mit Indach-Photovoltaikanlage fügt sich harmonisch in die ortstypische Bebauungsstruktur ein und definiert einen klaren Abschluss des Weilers nach Westen. Im Einklang mit dem Netto-Null-Ziel des Kantons Zürich sorgt die semipermeable Hülle des Neubaus für optimale Belichtung, während das lichtdurchlässige Solardach eine nachhaltige Energiegewinnung unterstützt. Als integraler Bestandteil der Architektur tritt das Dach als «fünfte Fassade» in Erscheinung und steht exemplarisch für eine neue Ästhetik des klimaangepassten Bauens. Die bewusste Entscheidung, die bestehenden Ökonomiegebäude zu erhalten und gezielt zu erweitern, anstatt sie durch einen Ersatzneubau abzulösen, spricht für eine nachhaltige Denkweise. Die behutsame Transformation des Menzihofs resultiert aus einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit landwirtschaftlichen Anforderungen, Ortsbildschutz, ressourcenschonendem Bauen und der Wiederverwendung vorhandener Bauteile. Das Projekt beweist, dass ein respektvoller Umgang mit dem Bestand und eine allumfassende Modernisierung des Landwirtschaftsbetriebs parallel möglich sind. Das Projekt demonstriert, dass Nachhaltigkeit und gestalterischer Anspruch kein Widerspruch sind, sondern gemeinsam eine neue architektonische Sprache formen können.











Copyright für die Fotografien: Foto: Andreas Graber






Copyright für die Pläne / Schemata / Grafiken: Clou Architekt:innen
Texte Davos Kriterien (Selbstevaluation)
Gouvernanz
Der Kanton Zürich übernimmt als Eigentümervertretung des Natur- und Heimatschutzfonds die Verantwortung für den Erhalt und die Weiterentwicklung des schützenswerten Hofensembles am Lützelsee. Bei der Projektierung wurde bewusst der Entscheid für die Erhaltung und Ergänzung des Hofensembles gefällt. Die Ökonomiegebäude wurden instandgesetzt und erweitert, ergänzt durch eine neue Remise. Der Biohof Lützelsee nutzt die Anlagen im Rahmen eines langfristig gesicherten Nutzungskonzepts.
Funktionalität
Die Hofgebäude sind funktional auf den Betriebsablauf ausgerichtet: klare Verkehrsführung, Stallumbau für eine angepasste Tierhaltung sowie praktisch angeordnete Lager- und Verarbeitungsräume. Regenwassernutzung im alten Futtersilo und das Solardach gewährleisten eine nachhaltige Energieversorgung. Die semipermeable Hülle der Remise sorgt für Licht und Belüftung, wobei die Architektur Alltagstauglichkeit und Ästhetik verschränkt.
Umwelt
Die Ökonomiegebäude erzeugen ihren geringen Energiebedarf CO₂-neutral vor Ort über das PV-Dach. Der alte Futtersilo dient als Regenwassertank zur Bewässerung des Gartens und zur Reinigung von Fahrzeugen. Die Remise wurde aus regionalem Holz gefertigt. Bei der Instandsetzung des Stalls wurde das Holz und die Ziegel des abgebrochenen Unterstands wiederverwendet. Pflege von Riet- und Naturschutzflächen sowie Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse fördern Biodiversität.
Wirtschaft
Der Kiosk ermöglicht die Direktvermarktung der hofeigenen Produkte und stärkt die regionale Wertschöpfung. Ergänzend kann der Gewölberaum für Feste, Workshops oder Vermietungen genutzt werden, wodurch zusätzliche Einnahmen entstehen. Ein optimierter Tierbestand und die praktische Anordnung der Betriebsflächen sichern eine effiziente Nutzung und die langfristige Betriebsfähigkeit des Hofes. Strom- und Wasserkosten können dank der PV-Anlage und des Regenwassertanks gespart werden.
Vielfalt
Der Menzihof bietet Lebensraum für verschiedene Tierarten. Besuchende sind jederzeit willkommen, um die Natur zu erleben und den Hof zu entdecken. Als Knotenpunkt am Naherholungsgebiet Lützelsee vernetzt er Menschen und Aktivitäten. Doch auch die Architektur zeigt Vielfalt: Gebäude unterschiedlicher Epochen sind zu einem stimmigen Ensemble verwachsen, das Geschichte, Natur und Begegnung in einem lebendigen Ganzen verbindet.
Kontext
Der Hof ist Teil des Naherholungsgebiets Lützelsee und gehört zu einem von drei Weilern am See. Das Hofensemble liegt in einer geschützten Moorlandschaft und in einer Ortsbildschutzzone. Mit dem Neubau der Remise als Westabschluss des Weilers wird der Hofraum strukturiert und bleibt über die Badstrasse verbunden. Dadurch entsteht ein klar definierter Hofplatz. Das denkmalgeschützte Menzihaus bleibt erhalten.
Genius Loci
Das Projekt zeigt, dass ein respektvoller Umgang mit dem Bestand und die zeitgemässe Weiterentwicklung eines Landwirtschaftsbetriebs parallel möglich sind. Der Neubau und das PV-Dach fügen sich typologisch und massstäblich in die ortstypische Struktur ein. Das ganze Ensemble wurde bedacht instandgesetzt und erweitert, wodurch sein Charakter bewahrt und die Atmosphäre des Ortes nachhaltig gestärkt wurde.
Schönheit
Das Trio von Remise, Hofkiosk und Scheune entstand aus einer Auseinandersetzung mit der Landwirtschaft, dem Ortsbildschutz, Bauen im Bestand und dem Re-use von bereits vorhandenen Bauteilen. Die PV-Anlage der Remise versteht sich als integraler Bestandteil der Architektur. Sie geht dabei auf leichte Art und Weise eine Verschränkung von zwei an sich fremden Materialen, nämlich Glas und Holz, ein. Am Tag dringt das Licht durch die Lücken nach innen, bei Nacht leuchtet es in die Umgebung hinaus.
Eigenschaften
Ort
Lützelsee 2, 8634 Hombrechtikon
Baukategorie (SIA 102)
Land-und Forstwirtschaft
Art der Aufgabe
Erweiterung
Art des Verfahrens
Offerte
Baukosten in CHF (SIA 416)
3.5 Mio.
Geschossfläche in m² (SIA 416)
1'575
Planung
2019 → 2022
Fertigstellung
2022 → 2023
Inbetriebnahme
2023
Einreichende | Projektbeteiligte
Bauingenieurwesen
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Elektroplanung
HLKS-Planung
Andere
Kunst am Bau
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