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Wohnhaus Mettenweg
Wohnhaus Mettenweg
Copyright: Roger Frei
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EINREICHUNG Nr. 403
Der Ort Mettenweg ist geprägt von Zeitzeugen unterschiedlicher Epochen, weiten Feldern und dem Bergpanorama des Nidwaldner Talbodens. Seit Jahrhunderten ist er ein Ort des Wohnens, der Fürsorge und der Gemeinschaft. Das Wohnhaus Mettenweg schreibt diese Geschichte weiter. Es fügt sich als weiterer Baustein in das historisch gewachsene Ensemble ein und reagiert mit einem facettierten Volumen auf Landschaft und Bestand. Ein einladender Hauptplatz verankert das Gebäude im Freiraum, während im Innern Rundläufe und gemeinschaftliche Räume klassische Korridorflächen ersetzen und Orientierung sowie Aufenthaltsqualität schaffen.

Das Wohnhaus richtet sich an Menschen, die in herkömmlichen Alters- und Pflegeheimen oft keinen passenden Ort finden: Personen mit psychischen oder physischen Erkrankungen sowie mit geistiger oder mehrfacher Beeinträchtigung, die zwischen institutionellen Strukturen leicht durchs Raster fallen. Das Ziel war es, keinen Heimbetrieb, sondern ein Daheim zu schaffen – einen Ort, an dem Menschen nicht verwahrt werden, sondern wohnen und Unterstützung finden, mit eigenen Wegen, eigenen Rhythmen und eigenen Beziehungen zum Aussenraum. Die Architektur unterstützt diese Haltung durch eine übersichtliche Tragwerks- und Grundrissstruktur sowie durch eine fein abgestufte Abfolge von gemeinschaftlichen und privaten Bereichen, die Bewegung, Begegnung und Rückzug gleichermassen ermöglicht.

Fassade und Konstruktion knüpfen an die ortsgeschichtliche Bautradition an und sind als Holzbau mit konstruktivem Holzschutz auf einem mineralischen Sockel entwickelt. Ein austauschbares Brett schützt den Geschossriegel und unterstützt die Langlebigkeit der Konstruktion. Massive Lisenen gliedern die Fassade und verbinden die Geschosse zu einem ruhigen, tektonisch lesbaren Ganzen.
Wohnhaus Mettenweg – Roger Frei
Wohnhaus Mettenweg – Roger Frei
Wohnhaus Mettenweg – Roger Frei
Wohnhaus Mettenweg – Roger Frei
Wohnhaus Mettenweg – Roger Frei
Wohnhaus Mettenweg – Roger Frei
Wohnhaus Mettenweg – Roger Frei
Wohnhaus Mettenweg – Roger Frei
Wohnhaus Mettenweg – Roger Frei
Wohnhaus Mettenweg – Roger Frei
Wohnhaus Mettenweg – Roger Frei
Copyright für die Fotografien: Roger Frei
Copyright für die Pläne / Schemata / Grafiken: BGP Architekten
Texte Davos Kriterien (Selbstevaluation)
Gouvernanz
Das Projekt Mettenweg knüpft an die lange Tradition des Ortes als Raum des Wohnens, der Fürsorge und des Zusammenlebens an. In enger Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Betrieb und Planungsteam entstand ein Wohnhaus, das soziale Verantwortung architektonisch übersetzt. Entscheidungsprozesse orientierten sich an langfristiger Tragfähigkeit, würdevollem Wohnen sowie Alltagstauglichkeit und berücksichtigten bewusst auch zukünftige Nutzungsanpassungen.
Funktionalität
Die klare Tragwerks- und Grundrissstruktur bildet das Rückgrat eines übersichtlichen Betriebs. Das Wohngruppenkonzept bündelt Fluchtwege im Kern und macht Erschliessungsflächen als Aufenthaltsbereiche nutzbar, wodurch sich der Wohnraum über die Zimmer hinaus erweitert. Die räumliche Grosszügigkeit erleichtert Orientierung und unterstützt den Alltag auch bei eingeschränkter Mobilität – und ermöglicht Wohnlichkeit trotz der komplexen Anforderungen von Pflege, Betreuung und Betrieb.
Umwelt
Nachhaltigkeit wird im Projekt als konstruktive und räumliche Aufgabe verstanden. Die kompakte Setzung und der massstäbliche Baukörper fügen sich behutsam in den bestehenden Kontext ein und erhalten den umgebenden Landschaftsraum. Der Einsatz von Schweizer Holz und einer Holz-Beton-Verbunddecke reduziert den Ressourcenverbrauch, während austauschbare Fassadenelemente wie das Opferbrett sowie die punktuelle Tragstruktur den Lebenszyklus des Gebäudes verlängern.
Wirtschaft
Das Wohnhaus Mettenweg folgt einer wirtschaftlichen Logik der Angemessenheit und des langen Atems. Langlebige Materialien, austauschbare Bauteile und eine robuste Grundstruktur ermöglichen einen verlässlichen Betrieb. Wirtschaftlichkeit wird nicht als kurzfristige Kostenfrage verstanden, sondern als langfristige Investition in Wohn- und Betriebsqualität und die Fähigkeit des Gebäudes, sich über Zeit an wandelnde Bedürfnisse und Nutzergruppen anzupassen.
Vielfalt
Das Gebäude bietet Raum für Menschen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen und Lebensrealitäten. Es knüpft an den Ort Mettenweg an, der seit jeher von einer Vielfalt an Nutzungen, Generationen und sozialen Angeboten geprägt ist. Architektonisch wird diese Vielfalt durch eine differenzierte Abfolge von privaten Zimmern, gemeinschaftlichen Bereichen, nutzbaren Erschliessungsflächen und abwechslungsreichen Aussenbezügen getragen – eingebettet in eine resiliente Konstruktion.
Kontext
Der Neubau fügt sich als weiterer Baustein in das historisch gewachsene Ensemble am Mettenweg ein. Die weilerartige Setzung, die Massstäblichkeit und der klare tektonische Ausdruck nehmen Bezug auf die bestehenden Bauten, Freiräume und den landschaftlichen Kontext des Nidwaldner Talbodens. Das Gebäude reagiert auf Ort, Topografie und Bestand, ohne diese zu überformen, und stärkt durch seine präzise Setzung die räumliche Kontinuität und Lesbarkeit des Ortes.
Genius Loci
Das Projekt entwickelt die Identität des Ortes weiter, indem es bestehende Qualitäten aufnimmt und zeitgemäss interpretiert. Die selbstverständliche Präsenz des Neubaus im Ensemble stärkt die Verbundenheit mit dem Ort. Der Mettenweg wird fortgeschrieben: als Lebensraum, in dem Betreuung, Alltag, Landschaft und Architektur in einen neuen Dialog treten und sozialen wie emotionalen Bedürfnissen Rechnung tragen.
Schönheit
Die architektonische Qualität des Projekts entsteht aus Zurückhaltung, Klarheit und handwerklicher Präzision. Der sichtbare Holzbau auf mineralischem Sockel schafft eine ruhige, lesbare tektonische Ordnung und eine warme Atmosphäre. Schönheit ergibt sich aus Material, Fügung und Proportion sowie aus dem Zusammenspiel von Raum und Nutzung. Das Kunst-am-Bau-Projekt «Gold» schärft den Blick für das Alltägliche und stärkt die sinnliche Beziehung zwischen Mensch und Ort.
Eigenschaften
Ort
Stans
Baukategorie (SIA 102)
Fürsorge und Gesundheit
Art der Aufgabe
Neubau
Art des Verfahrens
Wettbewerb
Beschaffungsform
Selektives Verfahren
Baukosten in CHF (SIA 416)
23.5 Mio
Geschossfläche in m² (SIA 416)
4'900
Planung
2018 → 2023
Fertigstellung
→ 2023
Inbetriebnahme
2023
Einreichende | Projektbeteiligte
Architektur
Bauingenieurwesen
Bauherrschaft
Baumanagement
Landschaftsarchitektur
Bauingenieurwesen
Bauphysik
HLKS-Planung
HLKS-Planung
Elektroplanung
Andere
Fotografie