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Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters
Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters
Copyright: Roland Bernath
044
EINREICHUNG Nr. 433
Die Schulanlage ist von einem Quartier mit kleinmassstäblichen Wohngebäuden umgeben. Gegen Osten befindet sich eine freie weite Wiesenfläche. Dreiseitig ist das Schulareal durch die Bahnlinie und Bäche umgeben. Das Volumen ist so positioniert, dass im Zentrum der Pausenhof gefasst wird, gleichzeitig im Norden ein Schulpark entsteht und im Süden genügend Raum für den Mittagstisch verbleibt.

Der Hauptzugang zum Schulareal erfolgt von der Muoshofstrasse im Westen her und führt direkt in den Pausenhof. Sämtliche Gebäudeeingänge orientieren sich zu diesem zentralen Platz, der bereits heute durch die bestehenden Passerellendächer gegliedert ist. Auch der Neubau ist auf diese Weise erschlossen. Der Aussenraum zwischen den Eingängen des Neubaus ist mit einem sickerfähigen Kiesbelag und Bäumen versehen und soll im Sommer zu einem kühlen Mikroklima beitragen.

Der Neubau nimmt über sein Schmetterlingsdach Bezug auf zu den Bestandesbauten der Schulanlage. Zwei Innenhöfe bieten geschossübergreifende Blickbeziehungen. Deren Dachaufbauten gliedern das Dach. Sie wirken insbesondere nachts als aufgesetzte Laternen und sind bereits von weither erkennbar. Die beiden Atrien sind unterschiedlich hoch ausgebildet. Das nördliche ist dreigeschossig, das südliche endet über der Aula. Die Innenhöfe sind als Haus-im-Haus gestaltet (durch eine offene Holzlattung tritt genügend Licht ein) und bieten geschossübergreifende Blickbeziehungen. Direkt daran angeordnet und an den Enden der Mittelzone gelegen, befinden sich die Lernlandschaften als Ergänzung zu den Klassenzimmern.

Das Gebäude ist zum grösstenteils mit Holz aus dem eigenen Waldgebiet von Malters erstellt. Die Kerne und das möglichst klein gehaltene Untergeschoss sind in Recyclingbeton realisiert. Auf dem Dach ist eine grossflächige PV-Anlage installiert.

Die Schüler*innen konnten in einem partizipativen Verfahren an der Farbgestaltung mitwirken. In mehreren Workshops entstanden bunte Farbfächer für die unterschiedlichen Räume.
Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters – Fassadenecke vom Pausenhof her – Roland Bernath
Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters – Südansicht vor Mittagstisch – Roland Bernath
Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters – Foyer / Begegnungszone – Roland Bernath
Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters – Raum Mittagstisch / Saal – Roland Bernath
Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters – Ausgabe Gastroküche mit Faltladen – Roland Bernath
Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters – Klassenzimmer 1.Obergeschoss – Roland Bernath
Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters – Hauswirtschaftsküche Dachgeschoss – Roland Bernath
Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters – Klassenzimmer Dachgeschoss – Roland Bernath
Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters – Treppenhaus: Farbgestaltung mit Schülerpartizipation  – Roland Bernath
Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters – Innenhof Nord – Roland Bernath
Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters – Garderobe vor den Klassenzimmern – Roland Bernath
Erweiterung Schulanlage Muoshof Malters – Atrium mit Blick von unten – Roland Bernath
Copyright für die Fotografien: Roland Bernath
Copyright für die Pläne / Schemata / Grafiken: Bürgi Burkhard von Euw
Texte Davos Kriterien (Selbstevaluation)
Gouvernanz
Der Bau ist stark im Ort Malters verankert, in dem von Beginn weg mit Holz aus dem eigenen Waldgebiet geplant wurde. Hierfür mussten die üblichen Prozesse der Holzlieferung angepasst werden. Die Gemeinde kaufte das Holz bereits vor der Volksabstimmung mit eigenen Mitteln der regionalen Waldorganisation ab und stellte den Baustoff danach den Holzbauern zur Verfügung. Weiter konnten auch die Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines partizipativen Verfahrens an der Farbgestaltung mitwirken.
Funktionalität
Die Geschichte aus Schulbauten zeigt, dass pädagogische Konzepte stetig im Wandel sind. Somit muss ein zeitgemässes Schulhaus vielfältige und flexible Nutzungsmöglichkeiten aufweisen. Die Räume des Neubaus sind in einer gerichteten und raumprägenden Gebäudestruktur organisiert. Atmosphärisch starke Akzente setzen zwei Innenhöfe, die die Lernlandschaften in der Mitte belichten. Rundherum schafft die Stützen-Platten-Bauweise eine grösstmögliche Flexibilität für zukünftige Lernformen.
Umwelt
Die Verwendung von Holz aus dem in Sichtweite liegenden Buggeringer Wald erinnert an Bauprozesse der Urhütte und schafft kurze Transportwerge und geringe Emissionen. Das Reduzieren der heutigen Asphaltoberflächen und Bepflanzen von Bäumen erzeugt im Sommer kühle Aufenthaltsorte auf dem Pausenhof. Ein Schulpark mit Biotop, Nistkästen für Fledermäuse und Mauersegler und grosszügige Grünräume folgen dem Prinzip des Animal-Aided Design und schaffen somit ein eine hohe Biodiversität.
Wirtschaft
Aufgrund der vorherrschenden Bauteuerung war es elementar, mit einfachen Mitteln zu bauen. Das Gebäude besteht aus einer rationalen und langlebigen Grundstruktur. Das Tragwerk in Holz bleibt als «Edelrohbau» sichtbar, die Balkenlage prägt die Stimmung. Durch die Konzentration aufs Wesentlichste konnten deutliche Einsparungen im Sinne der Suffizienz (ökologisch und ökonomisch) erreicht werden, ohne dass die atmosphärische Dichte verloren ging. Farben reichern die Raumstimmung kostenneutral an.
Vielfalt
Ein Schulhaus als öffentlicher Ort ist für alle zugänglich. Für zukünftige Generationen zu bauen, ist für uns deshalb eine besondere Aufgabe. Es sollen sich alle Nutzer*innen verschiedener Herkunft und Kulturen wohlfühlen. Neben dem Unterricht befinden sich einerseits im Erdgeschoss ein öffentlicher Saal, der auch Vereinen zur Verfügung steht und andererseits Hauswirtschaftsküchen, die auch durch Kochclubs genutzt werden. Auch die Möblierung im Aussenraum steht der Bevölkerung zur Verfügung.
Kontext
Die Bestandesbauten der Schule sind in einer eigenen orthogonalen Logik angeordnet. Die Setzung für den Ersatzneubau orientiert sich an den bestehenden Längsbauten der Schule. Das Volumen ist so positioniert, dass unterschiedliche und qualitätsvolle Aussenräume entstehen. Vor Ort vorgefundene Passerellen sind auf einfachste Art erweitert. Sie unterteilen den Pausenhof in thematisch unterschiedlich gestaltete Bereiche und adressieren das Gebäude auf logische Art und Weise.
Genius Loci
Der Geist des Ortes war ausschlaggebend von der Setzung bis ins Detail. Die beiden bestehenden Längsbauten werden einerseits ergänzt durch einen dritten Längsbau und andererseits findet der Pausenhof durch die Setzung zum Siedlungsrand im Osten einen Abschluss. Die gewählte Grundrisstypologie folgt der natürlichen Belichtung nach Osten und Westen. Nach innen geneigte Dächer des Bestandes werden in ein Schmetterlingsdach übersetzt, sodass eine neue Dachform im Sinne des Genius loci entsteht.
Schönheit
Proportion und Komposition verleihen der Fassade einen vertikalen Charakter. Das Haus ist rhythmisiert und erhält einen kleinteiligen menschlichen Massstab, wodurch eine schlichte Eleganz entsteht und das Schulhaus im Ausdruck seiner Nutzung entsprechend aussieht. Farbkontraste sorgen für Anregung und erzeugen spezifische Lernorte im Innern. Das Zenitallicht der Höfe zwischen den Lattungen sorgt für poetische Momente. Ornamentdecken werten die repräsentativen Räume auf.
Eigenschaften
Ort
Malters
Baukategorie (SIA 102)
Unterricht, Bildung und Forschung
Art der Aufgabe
Neubau
Art des Verfahrens
Wettbewerb
Beschaffungsform
Offenes Verfahren
Baukosten in CHF (SIA 416)
20.8 Mio.
Geschossfläche in m² (SIA 416)
19'270
Planung
2021 → 2025
Fertigstellung
2023 → 2025
Inbetriebnahme
2025
Einreichende | Projektbeteiligte