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CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel
CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel
Copyright: © Walter Mair
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EINREICHUNG Nr. 589
Der Kanton Basel-Stadt hat das ehemalige Bürogebäude des Amts für Umwelt und Energie an der Hochbergerstrasse 158 umgebaut. Das 1965 erbaute Gebäude liegt am Fluss Wiese zwischen dem Dorfkern Kleinhüningen und dem Hafengebiet. Unter dem neuen Namen «CoDeck» sind insgesamt 28 Wohnungen im Rahmen des kantonalen Wohnbauprogramms 1000+ entstanden, welches für Basel 1000 neue preisgünstige Wohnungen bis 2035 vorsieht. Der dabei zum Einsatz kommende Mietvertrag Plus knüpft eine Reduktion der Marktmiete um 20 Prozent an Vorgaben wie Belegung und Einkommen. Im Erdgeschoss und in den Untergeschossen – dem ehemaligen Standort der Autoeinstellhalle und des Archivs – liegen heute Gemeinschaftsflächen sowie rund 700 m² Gewerbeflächen. Diese betreibt der Verein tonRaum: Er organisiert die Hausgemeinschaft und vermietet Probe- und Arbeitsräume an Musikerinnen und Musiker zu erschwinglichen Konditionen. Im 4.OG stehen zudem drei Gästezimmer für die Bewohnerschaft und die Gastmusizierenden bereit. Das Angebot von günstigem Wohnraum und kreativen Arbeitsräumen unterstützt besonders Musikerinnen und Musiker; die Wohnungen stehen jedoch allen Interessierten offen.

Das Architekturbüro Kooperative E45 gewann 2020 den offenen Projektwettbewerb. Grundlage war die kantonale Objektstrategie, die eine Umnutzung zum Wohnhaus mit knapp bemessenen Kleinwohnungen, Gemeinschaftsflächen sowie eine energieeffiziente und ressourcenschonende Bauweise vorsah. Eine Herausforderung war die sinnvolle Nutzung der umfangreichen Untergeschosse. Durch eine gezielte Ausschreibung konnte der Verein tonRaum als Betreiber dieser speziellen Räume gewonnen werden.
Ein offener und wertschätzender Dialog zwischen Architektenteam und dem bauherrenseitigen Projektmanagement ermöglichte eine sorgfältige Abstimmung und Abwägung aller Anforderungen an das Gebäude. Entstanden ist ein architektonisch, gesellschaftlich und ökologisch überzeugender Beitrag für die Stadt Basel.
CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel – Südfassade, Detail – © Daniele Sciarretta
CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel – Laubengang – © Daniele Sciarretta
CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel – Wohnung im Regelgeschoss, Blick nach Süden – © Daniele Sciarretta
CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel – Klappbad im 1. Obergeschoss – © Walter Mair
CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel – Wohnung im 1.Obergeschoss, Blick nach Süden – © Daniele Sciarretta
CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel – © Daniele Sciarretta
CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel – Atelierwohnung, Eingang von der Strasse – © Walter Mair
CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel – Treppenhaus – © Daniele Sciarretta
CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel – Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss – © Walter Mair
CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel – Proberäume in der alten Autoeinstellhalle – © Walter Mair
CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel – Blick auf die Nordfassade mit der angrenzenden Lagerhalle – © Daniele Sciarretta
CoDeck - Umnutzung Hochbergerstrasse 158, Basel – Nordfassade, Detail – © Daniele Sciarretta
Copyright für die Fotografien: © Walter Mair
Copyright für die Pläne / Schemata / Grafiken: © Kooperative E45
Texte Davos Kriterien (Selbstevaluation)
Gouvernanz
2016 bestätigte der Grosse Rat die kantonale Objektstrategie: Das Amt für Umwelt und Energie zieht um, der bisherige Standort wird Wohnraum. 2020 folgte ein offener anonymer Wettbewerb und 2022 die Ausschreibung der Hausgemeinschaftsorganisation. Ein fachkundiges und umfassendes bauherrenseitiges Projektmanagement auf Basis der kantonalen Objektstrategie gewährleistete eine professionelle und zielgerichtete Projektrealisierung.
Funktionalität
Das neue Raumangebot nutzt das Gebäude optimal aus. Die grossen Ensembleräume im 1. Untergeschoss wurden durch architektonische Eingriffe natürlich belichtet; der Abstand zu den Wohnungen dient als Lärmpuffer. Nicht belichtete Zonen in den Untergeschossen werden als Übungsräume genutzt. Die kompakten Wohnungsgrundrisse sind flächenoptimiert; das innovative Konzept der Klappbäder ermöglicht eine natürliche Belichtung über die ganze Gebäudetiefe.
Umwelt
Mit der Weiternutzung des Bestandes wurden im Vergleich zu einem Ersatzneubau erhebliche Treibhausgasemissionen (kg/m2) eingespart. Erneuert wurde nur dort, wo nötig. Das bewusst als Low-Tech konzipierte Gebäude verfügt über eine Photovoltaikanlage, deren Strom den Mietenden preisgünstig abgegeben wird. Zudem wurden langlebige ökologisch verträgliche Baumaterialien eingesetzt, Dachflächen begrünt und Aussenflächen entsiegelt.
Wirtschaft
Die Weiternutzung des Bestandes und eine Projektierung nach dem Prinzip der Suffizienz führte zu niedrigen Baukosten und damit zu einer wirtschaftlich vorteilhaften Lösung. Die kleinen - dafür preiswerten - Wohnungen werden durch Gemeinschaftsflächen ergänzt. Der Ausbau der Autoeinstellhalle und des Archives zu Hauptnutzflächen führen zu einem Mehrwert für das Gebäude. Dank einem Low-Tech-Ansatz entstehen moderate Betriebs- und Unterhaltskosten.
Vielfalt
Unterschiedliche Wohnungstypologien ermöglichen verschiedene Lebensentwürfe und unterstützen die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens und Arbeitens. Der Gemeinschaftsraum und die frei zugängliche Dachterrasse stehen der Mieterschaft, den Musizierenden sowie Gästen offen und laden zum Austausch ein. Zusammen mit der Organisation zur Hausgemeinschaft bilden sie die Grundlage für ein lebendiges, kooperatives Haus und stärken die soziale Nachhaltigkeit.
Kontext
Die neue strassenseitige Fassade fügt sich mit seinen schiffsdeckähnlichen Laubengängen hervorragend in die angrenzende Hafenumgebung ein. Der neu ausgebaute Wohnbau wird als bestehender Teil der Blockrandwohnbebauung zeitgemäss neu interpretiert und belebt mit seiner neuen Nutzerschaft den Ort. Innenräumlich wird die Betonkonstruktion aus den 1960er-Jahren an vielen Stellen roh belassen und ist somit als Zeitzeuge direkt erfahrbar.
Genius Loci
Mit der strassenseitigen Metallfassade und der Holzfassade zum Hof schlägt das Gebäude eine Brücke zwischen dem industriellen Hafen und der dörflichen Struktur von Kleinhüningen. Grossflächige Schiebefenster öffnen die Wohnungen nach Süden mit Blick auf den Fluss Wiese und ihre grünen Ufer. Die Gemeinschaftsdachterrasse und die Attikaterrassen bieten zudem eindrucksvolle Weitblicke auf die Stadt sowie das Hafengeschehen mit dem historischen Bernoullisilo.
Schönheit
Eine leichte Stahlkonstruktion ergänzt den massiven Beton und verleiht dem Gebäude Leichtigkeit. Lackiertes Metall, Markisen, sichtbarer Beton und Fenster aus Fichtenholz prägen die reduzierte Materialität. Die Holzfassade im Norden erscheint wie eine feine Schicht. Der grüne Farbton verbindet die Fassaden zu einer kohärenten Einheit. Im Inneren bleiben alte und neue Betonflächen roh sichtbar, sodass Bestand und Eingriff zu einem Gesamtbild verwoben werden.
Eigenschaften
Ort
Basel
Baukategorie (SIA 102)
Wohnen
Art der Aufgabe
Umnutzung
Art des Verfahrens
Wettbewerb
Beschaffungsform
Offenes Verfahren
Baukosten in CHF (SIA 416)
Keine Angabe auf Wunsch der Bauherrschaft
Geschossfläche in m² (SIA 416)
4'680
Planung
2020 → 2023
Fertigstellung
2023 → 2025
Inbetriebnahme
2025
Einreichende | Projektbeteiligte