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Energiezentrale Josefstrasse, Zürich

Copyright: Georg Aerni
Im Hagenholz wird mittels Kehricht- und Holzverbrennung Energie produziert. Diese Wärme wird durch eine neu gebaute, unterirdische Verbindungsleitung zum Josefareal transportiert. Während fünf Jahren wurde hier die ehemalige Kehrichtverwertungsanlage unter Betrieb zu einer Energiezentrale umgebaut. Deren Funktion ist die Speicherung bzw. das zusätzliche Aufbereiten von Wärmeenergie und die Versorgung der Stadtteile Industrie und Aussersihl mit Fernwärme. Neben technisch-funktionalen Anforderungen der anspruchsvollen Transformation galt es Fragen zur städtebaulich-volumetrischen Einpassung ins heutige Wohnquartier und zur architektonischen Ausformulierung der Gebäudehülle zu beantworten. Die Tragstruktur aus Beton und Stahl, teilweise bestehend, teilweise neu, ist mit einer Hülle aus bläulichem Gussglas eingekleidet. Nachts bildet eine Beleuchtung die Struktur als feines Schattenspiel auf der gläsernen Oberfläche ab. Das Gebäude wird zur baulichen Auskristallisierung des städtischen Infrastrukturnetzes.












Copyright für die Fotografien: Georg Aerni












Copyright für die Pläne / Schemata / Grafiken: Graber Pulver
Texte Davos Kriterien (Selbstevaluation)
Gouvernanz
Die Energiezentrale gehört zum Josef-Areal, wo ein bunt gemischter Stadtteil entsteht. Verschiedene Anspruchsgruppen aus dem Quartier und der Politik sind an der partizipativen Entwicklung des Areals beteiligt. Die Umgebung der Energiezentrale wurde so gestaltet, dass sie in das entstehende Areal integriert oder angepasst werden kann. Als Zeitzeuge der industriellen Vergangenheit des Quartiers markiert die Energiezentrale eine bekannte und weit herum sichtbare Adresse in Zürich West.
Funktionalität
Die ehemalige Kehrichtverbrennungsanlage an der Josefstrasse - zum Zeitpunkt ihrer Inbetriebnahme 1904 im Industriequartier Zürichs angesiedelt - wurde zu einer modernen Energiezentrale umgebaut. Ihre Funktion ist das Speichern und Aufbereiten von Energie so wie auch der Betrieb der Fernwärmeversorgung für mehrere Stadtteile in Zürich West. Zudem dient die Anlage der Sicherung bei Systemausfällen und der Deckung von erhöhten Energienachfragen im Winterhalbjahr.
Umwelt
Der klimaaktive Freiraum leistet durch geringe Versiegelung, hohe Sickerfähigkeit und einem vielfältigen Grünanteil mit Schattenbäumen und Ruderalflur einen kostengünstigen Beitrag zur Schwammstadt, Hitzeminderung, Stadtökologie und Biodiversität. Dazu gehört auch der Nistkasten auf dem Hochkamin, wo seit Ende der 90er Jahre Turm- oder Wanderfalkenpaare ihre Brut aufziehen.
Wirtschaft
Die Entwicklung die Fernwärmeversorgung wird bis 2050 dauern. Entsprechend lassen mächtige, frei gehaltene Raumkammern einen inneren Ausbau zu. Dazu liegt der Fassadekonstruktion ein modularer Grundgedanke zugrunde: Jedes Element wie Lüftungsgitter, Türen, Tore und alle Gläser sind einzeln auswechselbar. Teile der Fassade können so geöffnet werden, um spätere Verfahrensteile wie z.B. einen zusätzlichen Kessel einzubringen.
Vielfalt
Die Gebäudegrundfläche des gewaltigen Baukörpers konnte auf rund einen Viertel reduziert werden, die Volumetrie auf einen Achtel – beides zugunsten eines neuen Parkes für das Quartier. Dieses hat sich seit seinen Anfängen als Industrie- und Produktionsort zu einem beliebten und belebten Stadtteil entwickelt. Punktuell platzierte Sitzobjekte laden zum Verweilen ein und ermöglichen sozialen Austausch.
Kontext
Grosses Augenmerk galt – neben den technisch-funktionalen Anforderungen der anspruchsvollen Transformation – der städtebaulich-volumetrischen Einpassung in den Massstab des heutigen Wohnquartiers und der Suche nach einem adäquaten architektonischen Ausdruck des technischen Programmes mittels einer spezifischen Ausformulierung der Gebäudehülle.
Genius Loci
Die biodiverse Stadtnatur mit Birken, Weiden und Pappeln erzeugt ein angenehmes Klima für einen öffentlichen Begegnungs- und Aufenthaltsort. Das Thema Energie/Industrie bleibt mit der neuen Energiezentrale mitten im städtischen Gefüge dem Industriequartier erhalten und ist somit im weiteren Sinn ein Zeitzeuge von früher.
Schönheit
Abstufungen und Versätze in der Fassade verweisen auf die komplexe Stapelung der im Volumen organisierten Speicher, Pumpen, Kessel. Eine Hülle aus blauem Gussglas und walzblanken Gurtbändern in Aluminium erinnern an die industrielle Vergangenheit des Ortes. Ein geheimnisvolles Glimmen dringt nachts nach aussen. Die innenräumliche Beleuchtung bildet die Struktur als feines Schattenspiel auf der gläsernen Oberfläche ab. Das Gebäude wird zur Auskristallisierung des städtischen Infrastrukturnetzes.
Eigenschaften
Ort
Zürich
Baukategorie (SIA 102)
Energieanlagen
Art der Aufgabe
Umbau
Art des Verfahrens
Offerte
Baukosten in CHF (SIA 416)
64 Mio. (BKP 1-9)
Geschossfläche in m² (SIA 416)
8'052 m2 (GF total)
Planung
2015 → 2024
Fertigstellung
→ 2024
Inbetriebnahme
2024
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