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Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich
Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich
Copyright: © Andreas Gehrke
020
EINREICHUNG Nr. 296
Das Projekt Müllerstrasse beschreibt einen neuen Umgang mit Bestandsbauten.
Weiterbauen statt Abriss und Neubau ist der Kerngedanke, der beim Projekt, inklusive verschiedenster Wiederverwendungsstrategien, durchexerziert wird. Es wird gezeigt wie ein eigentlich unspektakulärer Bürobau aus dem Jahr 1981 erhalten, transformiert und weiterverwendet werden kann. Gerade weil der Bestand generisch ist, eignet sich das Projekt sehr gut, um allgemeine Herangehensweisen für einen im nachhaltigen Bauen dringend benötigten, sorgsameren Umgang mit bestehenden Bauten aufzuzeigen. Dank des wiederverwendeten Gussaluminiums an der Fassade, kombiniert mit einem neuartigen, schaltbaren Flüssigkristallglas ist ein einzigartiges Ergebnis entstanden welches für den anspruchsvollen Mieter Google ein hochwertiges Gebäude zur Benutzung bereitstellt. Auch im Inneren kamen verschiedenste Re-use und Upcycling Strategien zur Anwendung, die das bereits mehrfach ausgezeichnete Projekt inzwischen zu einem Pionier und Leuchtturm des zirkulären Bauens in der Schweiz gemacht haben.
Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich – © Andreas Gehrke
Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich – © Andreas Gehrke
Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich – © Andreas Gehrke
Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich – © Andreas Gehrke
Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich – © Andreas Gehrke
Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich – © Andreas Gehrke
Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich – © Andreas Gehrke
Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich – © Andreas Gehrke
Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich – © Andreas Gehrke
Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich – © Andreas Gehrke
Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich – © Andreas Gehrke
Bürohaus Müllerstrasse 16/20, Zürich – © Andreas Gehrke
Copyright für die Fotografien: © Andreas Gehrke
Copyright für die Pläne / Schemata / Grafiken: © Ilmer Thies
Copyright: © Gabriela Betschart
Texte Davos Kriterien (Selbstevaluation)
Gouvernanz
Das Pilotprojekt folgt der teamorientierten Gouvernanz von Eigentümerin und Mieterin, deren geteilte ökologische Haltung Nachhaltigkeit als partizipativen Schaffensprozess etabliert. Diese Kooperation ermöglichte den Anspruch eines zirkulären Vorzeigeprojekts, das über den gesamten Lebenszyklus Verantwortung übernimmt. Als dokumentiertes Materialdepot sichert das Gebäude durch lückenlose Transparenz die Qualität künftiger Sanierungszyklen sowie die langfristige Pflege des Ortes.
Funktionalität
Die Transformation überführt die verschlossene Struktur der 80er-Jahre in ein offenes, helles Gebäude. Das Entfernen massiver Brüstungen lässt Tageslicht tief in die Struktur dringen und schafft barrierefreie Sichtbezüge zur Stadt. Statt Abriss erfüllen gezielte Eingriffe und innovative Technologien höchste heutige Ansprüche an die Arbeitswelt. Das Haus beweist die Modernisierbarkeit veralteter Strukturen und bleibt durch die Aufwertung des Gussaluminiums als langlebige Ressource erhalten.
Umwelt
Das Projekt wurde ganz im Sinne des zirkulären Bauens entwickelt. Durch den Erhalt des Rohbaus wurden 13.000 m³ Beton bewahrt und ca. 3.900 t CO₂ eingespart. Die Gussaluminium-Fassade blieb durch Neuzuschnitt in veränderter Form erhalten und trägt die Identität des Ortes weiter. Auch die Treppenhäuser wurden als Akt des Weiterbauens statt Abriss bewahrt. Die Erstellung eines Materialpasses sowie demontable Konstruktionen sichern die langanhaltende Kreislauffähigkeit.
Wirtschaft
Zirkuläres Bauen schafft hier messbaren Mehrwert. Durch den „erweiterten Grundausbau“ wurden Mieterbedürfnisse antizipiert, was Kosten sowie Bauzeit reduzierte und den Rückbau neuer Bauteile verhinderte. Der Erhalt des Rohbaus und die Transformation der Gussaluminium-Fassade sichern investiertes Kapital und minimieren Entsorgungskosten. Diese Ressourceneffizienz steigert zusammen mit dem Erhalt der Parkplatzinfrastruktur die Werthaltigkeit des Ortes nachhaltig.
Vielfalt
Hohe Baukultur bewahrt das soziale Gedächtnis des Ortes. Durch den Erhalt der Gussaluminium-Fassade bleibt das Haus als vertrauter Anker im Stadtgefüge bestehen. Die radikale Öffnung der Struktur schafft eine flexible Arbeitswelt, die als sozialer Wert fungiert und sich inklusiv an diverse Bedürfnisse anpasst. Das Projekt setzt ein Zeichen gegen die gängige Abbruch- und Neubaukultur und etabliert stattdessen eine verantwortungsvolle, zukunftsorientierte Planungspraxis.
Kontext
Das Gebäude wurde 1980 als Solitär ohne Bezug zur dichten Blockrandstruktur errichtet. Die Transformation nutzt das „Weiterbauen“ als Strategie zur städtebaulichen Versöhnung. Durch den umsichtigen Umgang mit dem Bestand wird der grossmassstäbliche Körper neu interpretiert und in den gewachsenen Stadtkörper integriert. Die Wiederverwendung des Originalmaterials sichert die materielle Identität, während die geöffnete Fassade einen zeitgenössischen Dialog mit dem Strassenraum führt.
Genius Loci
Der Genius Loci entfaltet sich in der Symbiose aus roher 80er-Jahre-Substanz und präziser Modernisierung. Statt den Bestand zu verleugnen, bleibt die materielle Geschichte durch den Kontrast von recyceltem Gussaluminium und schaltbarem High-Tech-Glas erlebbar. Diese Schichtung bewahrt den Geist des Hauses und verleiht ihm zeitgenössische Tiefe. So entsteht eine emotionale Bindung zum Ort, die über funktionale Aspekte hinausgeht und die Identität des Gebäudes zukunftsfähig fortschreibt.
Schönheit
Die Schönheit liegt im Mut, das Veraltete als ästhetische Ressource neu zu denken. Der Kontrast zwischen rauer Haptik des Bestandsbetons und technologischer Präzision der neuen Fassade erzeugt zeitgemässe Eleganz. Die Transparenz der Struktur und die Wertschätzung des Terrazzos unterstreichen eine materielle Ehrlichkeit, die die Lebensqualität steigert. So entsteht ein Ort, dessen ästhetischer Wert in der harmonischen und würdevollen Weiterführung der eigenen Geschichte liegt.
Eigenschaften
Ort
Müllerstrasse 16/20, 8004 Zürich, Schweiz
Baukategorie (SIA 102)
Handel und Verwaltung
Art der Aufgabe
Sanierung
Art des Verfahrens
Direktauftrag
Baukosten in CHF (SIA 416)
60´´´ 000´´ 000
Geschossfläche in m² (SIA 416)
26´ 263
Planung
2019 → 2021
Fertigstellung
2021 → 2023
Inbetriebnahme
2024
Einreichende | Projektbeteiligte