...
Baugewerbliche Berufsschule Zürich
Baugewerbliche Berufsschule Zürich
Copyright: Foto: Federico Farinatti
079
EINREICHUNG Nr. 366
Die neue Baugewerbliche Berufsschule Zürich liegt zentral unweit des Hauptbahnhofs. Durch die Platzierung des schlanken Gebäuderiegels direkt an der Strasse entsteht ein grosszügiger, begrünter Hofraum, der sowohl der Schule als auch dem Quartier dient. So integriert sich die Schule in den Stadtraum, statt sich von ihr abzugrenzen. Die abgesenkten Turnhallen mit ihrem Luftraum im Erdgeschoss werden auch ausserhalb der Schulzeiten von Vereinen genutzt und beleben am Abend den Stadtraum. Diese Stapelung bedingt, dass die Kräfte der Obergeschosse über den Turnhallen abgefangen werden müssen. Um hohe Unterzüge zulasten des Schulraums zu vermeiden, wird das gesamte erste Obergeschoss als Fachwerkträger ausgebildet. Die diagonalen Stäbe dieser Fachwerke verleihen dem Piano nobile seine spezifische räumliche Identität. Während die Klassengeschosse darüber sehr flächeneffizient organisiert sind, bildet das Piano nobile eine offene, flexibel nutzbare Landschaft. Das Herz dieser Landschaft ist die Werkhalle – ein multifunktionaler Unterrichts-, Ausstellungs- und Veranstaltungsraum –, die in engem Austausch mit den Nutzenden entwickelt wurde.
Die Architektur des Gebäudes basiert nicht auf fertigen Bildern, sondern macht die Logik und Prozesse des Bauens zum Thema. Das rohe Betongitter der sichtbaren Tragstruktur bildet ein stabiles Gerüst, das sich nach innen beliebig ausbauen und verfeinern lässt. Dieses Baukastensystem lässt sich fortlaufend an die Bedürfnisse seiner Nutzung anpassen. Zusammen mit der hohen Flächeneffizienz und Nutzungsdichte, der zugänglichen Gebäudetechnik, der einfachen Bauweise und der robusten Materialisierung entsteht so ein Gebäude, das strukturell nachhaltig ist. Architektonisch formuliert der Bausatz ein Vokabular, das der Schule eine spezifische Identität verleiht und dennoch Raum für Aneignung und Anpassung lässt.
Baugewerbliche Berufsschule Zürich – Fassadenansicht Limmatstrasse – Foto: Federico Farinatti
Baugewerbliche Berufsschule Zürich – Fassadendetail Hofseite – Foto: Federico Farinatti
Baugewerbliche Berufsschule Zürich – Blick in den Hof – Foto: Federico Farinatti
Baugewerbliche Berufsschule Zürich – Foto: Federico Farinatti
Baugewerbliche Berufsschule Zürich – Kiosk – Foto: Federico Farinatti
Baugewerbliche Berufsschule Zürich – Werkhalle – Foto: Federico Farinatti
Baugewerbliche Berufsschule Zürich – Werkhalle – Foto: Federico Farinatti
Baugewerbliche Berufsschule Zürich – Foto: Federico Farinatti
Baugewerbliche Berufsschule Zürich – Lernnische – Foto: Federico Farinatti
Baugewerbliche Berufsschule Zürich – Vorbereitungsraum Lehrpersonen – Foto: Federico Farinatti
Baugewerbliche Berufsschule Zürich – Klassenzimmer – Foto: Federico Farinatti
Baugewerbliche Berufsschule Zürich – Turnhalle – Foto: Federico Farinatti
Copyright für die Fotografien: Foto: Federico Farinatti
Copyright für die Pläne / Schemata / Grafiken: Gunz & Künzle Architekt*innen
Copyright: Hochbauamt Kanton Zürich
Texte Davos Kriterien (Selbstevaluation)
Gouvernanz
Das Projekt wurde in einem offenen Wettbewerb gemäss SIA-Ordnung 142 von einer Fachjury aus über 100 Beiträgen ausgewählt.In der Planungsphase wurden von Anfang an die Bedürfnisse der Nutzenden und Anwohner einbezogen. Anhand von Workshops konnten neben den Lehrpersonen auch die Schüler und Schülerinnen ihre Ideen und Wünsche einbringen. Mittels Baustellenführung wurde der Bauprozess für die zukünftigen Bauspezialist*inne der Berufsschule sichtbar gemacht und in den Unterricht integriert.
Funktionalität
Im Zentrum des Entwurfs steht der Anspruch, optimale Bedingungen für den Unterricht zu schaffen. Die 31 Klassenzimmer erfüllen bezüglich Tageslicht, Raumakustik und -klima höchste Anforderungen. Darüber hinaus stehen flexibel nutzbare Räume für den erweiterten Unterrichten im 1. Obergeschoss, in den Korridornischen und auf dem Dach zur Verfügung. Die Gebäudestruktur kommt in den Unterrichtsgeschossen mit wenigen tragenden Stützen aus und schafft so eine hohe Flexibilität.
Umwelt
Durch die effiziente Organisation kann das Programm mit weniger Bauvolumen erstellt werden ohne Abstriche bei der räumlichen Qualität zu machen. Dadurch werden Ressourcen gespart und ein begrünter Hofraum wird ermöglicht. Es wurden robuste und langlebige Materialien gewählt und eine konsequente Systemtrennung umgesetzt. Die Haustechnik ist zugänglich und austauschbar.
Das Gebäude ist nach dem Standard Minergie-P-Eco zertifiziert und erreicht als erstes Schulhaus im Kanton Zürich auch SNBS Gold.
Wirtschaft
Die Wirtschaftlichkeit des Projekts ergibt sich aus seiner Langlebigkeit.
Es kommen ausschliesslich robuste und unterhaltsarme Materialien zum Einsatz, die breit verfügbar sind und einfach unterhalten werden können. Auf Sonderanfertigungen und aufwendige Konstruktionsdetails wird verzichtet. Materialien mit kürzeren Lebenszyklen wurden als additive Elemente behandelt und können einfach ausgetauscht werden. Bei der Fassade wurde auf einen guter Witterungsschutz geachtet.
Vielfalt
Das Schulhaus bietet eine Vielzahl von informellen Aufenthaltsräumen in denen Lehrende und Lernende sich begegnen können. Die Lernnischen wurden in Zusammenarbeit mit den Lernenden farbig, divers und lebendig eingerichtet.
Das flexibel nutzerbare 1. Obergeschoss ist über die Loggia und die grosse Wendeltreppe direkt mit dem Hofraum verbunden. So kann die Öffentlichkeit, während und ausserhalb der Unterrichtszeiten, in vielfältiger Weise mit den Aktivitäten der Schule in Austausch treten.
Kontext
Die schlichte Gebäudekörper führt die Fassadenflucht entlang der Limmatstrasse weiter. Der Klingenpark, diagonal versetzt auf der anderen Strassenseite, wird in der ursprünglichen stadträumlichen Absicht erhalten.
Die zweigeschossige Sockelpartie ist sehr innerstädtisch wie bei
Häusern aus dem 19. Jahrhundert an der Hafnerstrasse. Die beidseitigen Kolonnaden und dem Durchgang verweben das Gebäude mit dem Stadtraum und schaffen in alle Richtungen neue Vernetzungen im Quartier.
Genius Loci
Aus dem einst düsteren, unwirtlichen Innenhof wird ein offener, einsehbaren Aufenthaltsraum. Beschattete Sitzgelegenheiten und ein Basketballplatz laden Schüler*innen und Leute, die im Quartier wohnen oder arbeiten, zum Essen und Verweilen ein. Die schlichte Ausstattung und rohe Materialisierung lehnen sich an typische Hofsituationen im Kreis 5 an. Der "Hinterhof" im ehemaligen Industriequartier wird als offener, angstfreier und begrünter Stadtraum neu interpretiert.
Schönheit
Schönheit wird hier nicht als statisches Bild verstanden sondern als bewegter Ausdruck des Lebens. Die statischen Gegebenheiten bilden im 1. Obergeschoss eine prägnante räumliche Struktur, die aber sehr zurückhaltend materialisiert ist. Farblich prägnant sind dagegen die durch die Nutzer beweg- und anpassbaren Möbel und Vorhänge.
Die Schönheit ergibt sich nicht als Diktat der Architektur sondern im Zusammenspiel eines räumlichen Angebots mit seiner Aneignung durch die Nutzenden.
Eigenschaften
Ort
Limmatstrasse 53, 8005 Zürich
Baukategorie (SIA 102)
Unterricht, Bildung und Forschung
Art der Aufgabe
Neubau
Art des Verfahrens
Wettbewerb
Beschaffungsform
Offenes Verfahren
Baukosten in CHF (SIA 416)
50.5 Mio.
Geschossfläche in m² (SIA 416)
10'198
Planung
2019 → 2023
Fertigstellung
2023 → 2025
Inbetriebnahme
2025
Einreichende | Projektbeteiligte
Bauherrschaft
Baumanagement
Landschaftsarchitektur
Bauingenieurwesen
HLKS-Planung
Elektroplanung
Fassadenplanung
Bauphysik
Kunst am Bau
Kunst am Bau
Laurent Güdel, Michal Florence Schorro, Giona Bierens de Haan & Raphael Raccuia
Signaletik