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«Zum Thema Genius Loci habe ich ein Diagramm entwickelt, das ich in Vorträgen und Bauprojekten einsetze. Es basiert auf einem bekannten Modell von John Dixon Hunt, einem britischen Landschaftstheoretiker. Er beschreibt drei Ebenen der Natur, wie wir sie als Mensch wahrnehmen und erleben. Die erste ist für ihn die reine, unberührte Natur. Die zweite beschreibt die kultivierte Natur, also die kulturelle Landschaft. Die dritte Ebene bilden die Gärten. Das ist eine künstlerische Interpretation der Natur und Landschaft. Ich habe das Konzept etwas anders zusammengestellt und nutze es intensiv in meinen eigenen Projekten und möchte den Ansatz auch in die Juryarbeit einbringen. Die natürliche Ebene ist etwas, das in unseren Projekten eine Stimme bekommen kann und muss – die Kraft des Wassers, des Lichts, des Steins, des Waldes, des Windes und all dieser Elemente sollte wahrgenommen werden, statt unterdrückt zu werden. Bei der kulturellen Landschaft geht es darum, wie wir mit ihr umgehen und sie gestalten. Für mich gehören hier auch die Gärten dazu. Es gibt eine dritte Ebene, die ich zu formulieren versuche – das Zusammenspiel, die Verbindung zwischen Mensch und Ort. Darüber wird viel zu wenig diskutiert. Das ist die Ebene der Sehnsucht, der Erinnerungen, der Emotionen, der Wahrnehmung – all die persönlichen Ebenen der Imagination. Ich finde, wir müssen diese Idee klar formulieren: Es gibt die Natur, die kulturelle Landschaft und die imaginative Landschaft. Landschaft ist nie rein objektiv, sie entsteht stets in der Wechselwirkung zwischen Ort und Wahrnehmung. Ich finde, wir müssen das einfach diskutieren und untersuchen, was einen Ort stiftet und wie das wiederum unsere Wahrnehmung prägen kann.»